Im Grunde gut – in der Ausführung allerdings auch!

bedingungslosesgrundeinkommen

Es ist verlockend: eine bedingungslose monetäre Zuwendung auf monatlicher Basis durch den Staat für jedes Individuum zur Grund-Lebensabsicherung. Keine Bindung an eine Arbeitstätigkeit, keine Verpflichtung zur Kontrolle und keine Nachweispflicht. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ist in keinem Fall neu, doch hat sie selten eine solche Debatte ausgelöst, wie in den vergangenen Monaten.

Diese sexy Idee liest sich traumhaft, die ersten Herausforderungen tauchen allerdings erst mit der Planung und Umsetzung auf. Nicht nur, dass dieses Grundeinkommen Auswirkungen auf die Sozialkassen hätte, es würde, so heißt es bei den Zynikern, Menschen, die ohnehin keine Arbeitsleistung erbringen wollen, dazu motivieren, dies auch weiterhin nicht zu tun. Auch ist die theoretische Höhe des Einkommens heiß diskutiert, zu viel ist schlecht, zu wenig macht keinen Sinn. Aber erstmal der Status quo.

Status Quo

Die nationale wie auch internationale Wirtschaftskraft ist mit Beginn der industriellen Revolution bis ins heutige Zeitalter kontinuierlich gestiegen. Dass das zu einer extrem effizienten Volkswirtschaft geführt hat, scheint offensichtlich und dass das zu einem erhöhten Lebensstandard der Bevölkerung geführt hat, auch. Allerdings muss man auch sagen, dass genau dieser und in den einzelnen erlebten Phasen rasanter Fortschritt auch dazu geführt hat, dass gesättigte Märkte eingetreten sind, die bestimmte Arbeitskräfte in bestimmten Bereichen obsolet gemacht haben.

Ja, auch als Nicht-VWL´er erkenne ich hier den Widerspruch und mit dem haben die erfolgreichsten Volkswirtschaften auch bis dato noch nicht gelernt umzugehen. Diese sind es letztendlich, die sich darüber beschweren, dass Arbeitsplätze (siehe SIEMENS) wegrationalisiert werden. Und doch sind sie – pardon -so dumm und wollen schlichtweg nicht die Chancen und Perspektiven darin sehen, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen.

Was ist das BGE genau?

Das Grundeinkommen ist ein universelles soziales Menschenrecht, welches durch das politische Gemeinwesen gewährleistet wird.

Insgesamt vier Grundelemente spricht das BGE an:

  1. Existenz- und Teilhabesicherung
  2. individueller Rechtsanspruch für alle Menschen
  3. keine Bedürftigkeitsprüfung
  4. kein Zwang zur Arbeit oder zu anderen Gegenleistungen

Aber brauchen wir das wirklich?

Die Menschheit ist im Jahr 2018 dazu in der Lage, jegliche Dienstleistungen oder Produkte herzustellen und auf jeden individuellen Wunsch zu reagieren. Gerade erst vor ein paar Tagen kursierte die Meldung, dass gerade einmal 45 Menschen in Deutschland so viel Kapitalvermögen haben wie die ärmere Hälfte des Landes. Das rüttelt mal wieder auf. Die Bedrohung durch genau diese Armut und durch exakt diesen Reichtum sollte Grund genug sein, über das Grundeinkommen in Deutschland intensiver zu beraten.

Ich möchte gerne noch einen Schritt weitergehen: ich sehe es als ethische und humanistische Verpflichtung einer Gesellschaft an, die es sich leisten kann, Abgeordneten ein Grundgehalt von nahezu 10.000.- zu zahlen, während sie hoch dotierte Aufsichtsratsposten inne haben, den bereits existierenden Reichtum aller einer weltweiten und in höchstem Maße veränderten Wohlstandspolitik für alle Menschen zu nutzen.

Unsere Freiheit ist uns das wichtigste Gut und wir leben unsere Freiheit, indem wir Dinge erschaffen, indem wir Ideen ausformulieren, indem wir ethische und auch soziale Probleme lösen. Wie also kommt man auf den Gedanken, dass ein BGE das verhindern könnte? Im Gegenteil: Kreativität und soziales Engagement würden sozusagen bezahlt werden, Problemlösungen könnten ungezwungener und freier passieren und Menschen könnten Menschen sein und nicht nur Arbeiter.

Das BGE: Ein Gewinn für die Unternehmen?

Oft spricht man in der Berater-Community von der Effizienzsteigerung der Mitarbeiter, von unternehmerischer Teilhabe und der Leistungsorientierung. Genau hier sehe ich den größten Vorteil für Unternehmen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zweifelsfrei besser zur Arbeitsleistung motiviert aufgrund freier Entscheidungsmodi. Die 40-Stunden-Woche hätte abgedankt und Arbeit wird tatsächlich dann erledigt, wann sie zu erledigen ist. Das ist zu einfach gedacht? Dann versetze dich nur einen Moment in diese Situation und sei ehrlich zu dir selbst, wie viel effektive Arbeitsleistung du an einem Arbeitstag erbringst und wie du diese fast schon verlorene Zeit einem Hobby, einer sozialen Einrichtung, einer gemeinnützigen Tätigkeit „spenden“ könntest. Wie oft stellst du fest, dass du die Zeit nur deshalb absitzt, weil es sich nun mal gehört, mindestens 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, obwohl du nach Stunde 25 oder 30 schon am Ende und ausgelaugt bist und es dazu auch nichts mehr zu tun gibt.

Auch für Unternehmensgründungen wäre es ein absoluter Zugewinn. Das Verlustrisiko wird erheblich abgeschwächt, das Grundeinkommen nimmt die Angst vor der existenziellen Grundangst und fängt dich ab. Blödsinn? Dann nochmal: versetze dich nur einen Moment in die Lage, du hättest eine Idee, um ein Unternehmen zu gründen. Plötzlich überkommt dich ein kalter Schauer und du stellst fest, dass du finanziell abhängig bist von deinem derzeitigen Job, dass du Geld verdienen musst und deine kreative und unternehmerische Idee wird somit im Keim erstickt!

Weitere Gründe…

für das BGE finden sich eher in der operativen Ausrichtung. Wie wir alle wissen und auf unseren Gehaltsabrechnungen monatlich einsehen können, finanzieren sich die Sozialversicherungssysteme bisher aus den Beiträgen der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen. Früher hatten nur solche Menschen Anspruch auf diese soziale Absicherung, wenn sie regelmäßig diese Sozialbeiträge geleistet haben. In Zeiten von Hartz IV ist es nicht mehr möglich, eine materielle Existenz sicherzustellen, wie soll dann eine soziale Absicherung sichergestellt werden?

Das Niedriglohnsegment hat an Fahrt in den vergangenen Jahren aufgenommen, der Mindestlohn wird durch zahlreiche Tricks umgangen und Auszubildende können sich glücklich schätzen, wenn sie mehr als 1,00.- auf die Stunden erhalten. Dieses System muss erneuert werden. Das bedingungslose Grundeinkommen kann das schaffen!

Mal so, mal so

Ich gebe zu, ich selbst hatte nicht immer eine solche Meinung zu dem BGE. Noch letzten Sommer diskutierte ich mit drei Freundinnen über die Auswirkungen und Konditionen eines bedingungslosen Grundeinkommens und ich hatte eher die Meinung vertreten, es könnte die Menschen dabei unterstützen, die bewusst und bereitwillig arbeitslos sind, den Weg in den Beruf nicht mehr anzutreten. Dabei habe ich eine ganz wichtige Sache übersehen: Die Menschen, die den Weg zurück in die Gesellschaft suchen, dabei zu unterstützen, diesen zu finden!

Euer MJN.

Bildquelle: http://www.egofm.de/themen/entdeckt/10845-bedingungsloses-grundeinkommen

Textquelle: https://www.grundeinkommen.de/die-idee/fragen-und-antworten

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