(M)Eine Ich-Kollision: Schmerz- aber wertvoll!


Es gibt Momente in deinem Leben, da bleibt dir nichts anderes übrig, als dich dem Moment hinzugeben.

Es gibt wiederum Momente in deinem Leben, da solltest du dich hingeben und den Ausgang schlicht und ergreifend abwarten.

Du hast alles versucht, du hast dein Ganzes gegeben, hast deinen gesamten Mut zusammen genommen, hast dagegen angekämpft, irgendwann sagen zu müssen, du bereust es.

Auch wenn dieser Blog dazu bestimmt ist, im beruflichen Kontext Situationen aufzuzeigen, die beschreiben sollen, wie man „unternehmenskulturell kollidieren“ kann, nutze ich ihn jetzt, um ein Stück Ich-Kultur zu beschreiben.

Ich möchte diese Zeilen mir selbst widmen, meinem Mut, meiner Wut und meiner oft komplizierten Idee des „Glücklich-Seins“. Ich habe eine schmerzhafte Erfahrung machen müssen und mache sie noch und ich will sagen können, dass ich darunter leide und sie ich gleichzeitig stark werden lässt. Ich habe bereits einmal erwähnt, dass ich mich oft ausschließlich über meinen Beruf identifiziere, dass ich oft versucht habe, meinen ganzen Selbst-Stolz daraus zu entwickeln. Dass das – und die Menschen, die mich kennen und das hier lesen wissen das – für mich persönlich falsch war und ist, spüre ich jetzt intensiver denn je. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich Menschen um mich herum weiß, Freunde, Kollegen und Bekannte, die mir schnell positive Eigenschaften zusprechen. Manchmal schneller, als mir lieb ist und ich selbst beeinflussen kann.

Auch dieses Mal passierte das. Dass das allerdings auch ins Gegenteil umschlagen kann, das durchdringt gerade jede einzelne meiner Synapsen und scheint ein Prozess der erneuten Selbsterfahrung zu werden. Stimmt übrigens, das hört nie auf:-(

Grenzerfahrungen können auch sein, dass für einen klitzekleinen Momente dein ganzes Weltbild ins Wanken gerät durch einen Menschen, der dich nicht kennt, der glaubt, dich erforscht zu haben, der glaubt, dich provozieren und dadurch bewerten zu können und zu müssen. Nur zu leicht rät man einem Freund, dem so etwas widerfährt: „Der hat dich nicht verdient“…das mag der eine oder andere Leser auch aus einem anderen Kontext kennen. Viele Grüße an die beste Freundin, die einen aufzubauen versucht:-)

Stimmt, richtig, vööööllig nachvollziehbar…wäre man nicht gerade derartig tief verletzt, dass man an sich keine einzige dieser positiven Eigenschaften, die man als Trost „geschenkt“ bekommt, an sich erkennt, weil alles so verdammt emotional und verschwommen ist. Es ist so unglaublich schwer für mich zu akzeptieren, dass Personen über so wahnsinnig wichtige Eigenschaften wie Motivation, Begeisterungsfreude und Ehrgeiz „entscheiden“ dürfen oder es zumindest so annehmen. Können Sie, hart aber wahr. Dürfen sie aber irgendwie nicht. Einfach und auch wahr. Trotzdem trifft es so sehr, so in die Mitte, so tief! Das würde ich alles gelten lassen, wenn da nicht dieser Funke Überzeugung in mir wäre, der mir sagt, dass ich ganz einfach nicht Schuld bin. Ich gehe so weit, mir selbst einzugestehen, dass ich weiß, dass ich es nicht bin!

Ich würde es gelten lassen, wenn ich überzeugt davon wäre, ich hätte meine „Ich-Kultur“ nicht verstanden, wenn ich es sehen würde, dass ich willentlich Misszustände und Unmut herbeigeführt hätte.

Ich kann das also nicht akzeptieren. Ich muss es aber. Das ist schwer. Und dann wiederum ist es sehr einfach, denn ja, ich habe alles gesagt und getan, was ich konnte, was nicht immer in meinem („vereinbarten“) Rahmen zu sein schien, ich tat es trotzdem. Ich tat es, um frei zu sein von negativen (Schuld)-Gefühlen, frei von Reue und diesem schrecklichen und durchdringenden „Hätte ich doch nur“. Ich sehe mich selbst als Person, die idealistisch und zugleich gezwungen rational agiert. Ich sehe mich manchmal so, manchmal so. Ich sehe aber auch Personen, die zu keinem Zeitpunkt eine dieser beiden Seiten ausleben können oder auch wollen. Und das tut weh. Das tut der ganzen „Ich-Kultur“ weh. Es gibt diesen Moment derzeit in meinem Leben, dem ich mich irgendwie hingeben muss, auch wenn ich gerne Herr über meine eigene Ich-Lanschaft bin. Ich sollte mich diesem Moment hingeben, solange es nur ein Moment bleibt. Und ja, es macht stärker, aber leider nimmt er auch ein kleines Stück Idealismus von mir. Ich werde es überleben. Stärker. Wissender. Ohne es zu bereuen!

Euer MJN.


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