Der persönliche Karriereanker


«Am besten lassen sich organisatorische Veränderungen erreichen, wenn man die positiven, unterstützenden kulturellen Elemente (Stärken) nutzt.»
(Edgar H. Schein)

Laut Edgar Schein soll jeder Mensch während seiner beruflichen Erfahrungen eine einigermaßen klare Idee seiner eigenen Persönlichkeit erarbeiten. Dieses eigens gemalte Selbstbild schließt verschiedene Antworten auf die oft diskutierten Fragen des „beruflichen“ Lebens ein:

Wo liegen meine Talente, meine Fertigkeiten, Kompetenzen oder Schwächen? Was will ich erreichen? Was will ich in jedem Falle meiden? Welche Bedürfnisse habe ich? Wo liegen meine Motive? Welche Ziele will ich erreichen? Kann ich mich mit repetitiven Teilarbeiten anfreunden? Mit welchen Wertvorstellungen beurteile ich meine Arbeit? Läßt sich meine Arbeit mit den eigenen Werten vereinbaren? Finden sich in ihr meine persönlichen Wertvorstellungen wieder? Möchte ich ein hohes Maß an Selbständigkeit erreichen? Erfüllt mich meine Arbeit mit Stolz?

Doch was macht man genau mit den Antworten? Uns muss klar sein, dass man diese Fragen bzw. die darauf „mustergültigen“ Antworten in einem jahrelangen Prozess entwickelt und nicht wie – und ich spreche hier aus eigener Erfahrung – in einem halben Jahr! Jeder wird sich erinnern, dass unsere anfänglichen Berufserfahrungen geprägt waren von weniger trennungsscharfen Vorstellungen des eigenen „Ich“ und die Verschleierung sich mit jedem Feedbackgespräch, jeder Kündigung und jeder Beförderung etc. schärft! Ja, auch Fehleinschätzungen gehören dazu und leider oder zum Glück auch schmerzhafte Erlebnisse. Auch sollten wir uns von der romantischen Idee verabschieden, man könnte jede emotionale Reaktionen, welche einem manchmal einen Strich durch die professionelle Rechnung machen, vorhersagen, sie gar konkret prognostizieren. Ich zumindest nicht.

In meinen beruflichen Stationen habe ich vorgefertigte Bilder von bestimmten Rollen und Positionen selbst erleben und auch anstarren dürfen, die vor „Allrounder-Kompetenzen“ geradezu getrotzt haben, nein getrieft haben!!! „Übung macht den Meister, aber nicht bei Ihnen“ oder wie?

Mit wachsenden Berufsjahren und additiven Verantwortungsbereichen wie auch unterschiedlichen Rückmeldungen und der einen oder anderen Personalentscheidung etabliert sich immer mehr und immer stärker ein schärferes Selbstbild inklusive der eigenen Wertvorstellungen.

„Das Selbstkonzept fungiert als Leitsystem und wirkt als Anker, der die Wahlmöglichkeiten beschränkt. Der Mensch entwickelt ein Gespür dafür, was ’seins‘ ist und was nicht.“ (Edgar Schein)

Mit dem „persönlichen Karriereanker“ beschreibt Edgar Schein eine Art Leitfaden für berufliche Entscheidungen. Man kann es besser als eine Art Kompass verstehen oder eine Abzweigung auf der Autobahn. Interessant für mich ist insbesondere die Erkenntnis, dass dieser Anker nicht mit der aktuellen Tätigkeit übereinstimmen muss. Es gibt, so Schein, natürlich auch äußere Umstände, die einen dazu zwingen, zu akzeptieren, dass die ausgeübte Tätigkeit nicht zu den eigenen Neigungen und auch Kompetenzen passt. Sobald sich aber solche Limitierungen oder auch Zwänge ändern oder gar auflösen, ändert sich analog hierzu das Selbstbild, die eigenen Werte und auch die hart erarbeiteten Motivationen. Hier spricht Edgar Schein von einem „Wechsel des Karriereankers“.

Schein entwickelte insgesamt acht verschiedene Typen eines Karriereankers:

  1. Technische/funktionale Kompetenz: Hier handelt es sich um jede Menschen, die Optimierung durch ihre Tätigkeit anstreben. Sie sehen ihre jeweilige Aufgabe tatsächlich als Herausforderung an. Hier geht es um konstante Weiterentwicklung von fachspezifischen Kompetenzen. Oft sind solche Menschen Liebhaber prozessorientierter Arbeitsweisen
  2. Befähigung zum General Management: Bei diesen Typen geht es um die Übernahme von Verantwortung. Diese Ausprägung beschreibt Menschen, die gerne Unternehmen managen und wichtige Entscheidungen treffen möchten.
  3. General Management: Analytische Fähigkeiten, emotionale Kompetenz, die Fähigkeit mit nur bruchstückhaften Informationen logische Entscheidungen zu treffen, zeichnen diesen Karriereanker aus.
  4. Selbstständigkeit/Unabhängigkeit: Menschen mit diesem Karriereanker suchen eine bestimmte Freiheit; sie entwickeln sich am besten, wenn sie selbständig schalten und walten können. Nach Schein findet dieser Typ schnell und einfach einen neuen Job oder nutzt die Möglichkeit, sich selbständig zu machen.
  5. Sicherheit/Beständigkeit: Menschen diesen Karriereankers suchen geradezu einen Langzeitarbeitsplatz und regelmäßige Tätigkeiten.
  6. Unternehmerische Kreativität: Menschen mit diesem Karriereanker wollen ein eigenes Unternehmen führen und ihr kreatives Potential ausleben.
  7. Dienst und Hingabe für eine Idee oder Sache: Menschen mit diesem Karriereanker geht es um die Verwirklichung ihrer Werte und um die Verbesserung der Welt.
  8. Totale Herausforderung: Menschen mit diesem Karriereanker suchen stetig die „totale Herausforderung“, sie stehen im ständigen Wettbewerb mit dem Ziel, sich gegenüber anderen zu behaupten und als Gewinner hervorzugehen.

WER BIN ICH? WER BIST DU UND DU UND DU???


Zu Edgar H. Schein:
Er gehört zu den Wegbereitern der prozeßorientierten Organisationsberatung und publizierte richtungsweisende Bücher und Beiträge zur Organisationsentwicklung, Karriereplanung und Organisationskultur.
Der von ihm erarbeitete „Karriereanker“ ist mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum zu einem vielfach eingesetzten Standardinstrument in der Personalentwicklung geworden. Edgar Schein lehrt am MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Boston.


3d people - man, person with metal anchor and chain
Quelle: mz-coaching.de

 

Rockstar in 46 Wörtern gesucht!


…wie sie wirklich glaub(t)en, uns damit zu überzeugen!

Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ein neuer schlauer „HR“-Kopf nicht auf die glorreiche Idee kommt, eine revolutionäre Stellenausschreibung zu veröffentlichen in dem festen Glauben, dass sich ein Heini am anderen XING-Ende erbarmt, einen „Daumen-Hoch“ zu drücken. Es muss  ja potentielle Kandidaten geben, die das anspricht, nein, die das derartig sexy finden, dass sie ohne zu zögern den „Nachricht“-Button tippseln und loslegen mit „Ich habe gesehen, dass Sie einen xxx suchen, vielleicht könnten wir einmal ins Gespräch kommen?“ *räusper*

Laaaaaangweilig! Ohne Flacks jetzt Mal: wie kommen diese Stellenausschreiber dazu, uns, das lesende Publikum für so dermaßen anspruchslos zu halten, dass sie uns eine solch fade Suppe servieren? Analog zu meinem letzten Eintrag empfinde ich schüttelnden Fremdscham und mich auch gleichzeitig stellvertretend für den Berufsstand der Recruiter und HR-Talentfinder angegriffen, innerhalb dessen ich versuche, Stellenbe und -ausschreibungen diese eine bestimmte Würze zu geben, ihnen Leben einzuhauchen und sie greif- und auch nachvollziehbar zu gestalten.

Bähm! Und dann das hier, eine Position, die sicherlich höher datiert ist als ein „gewöhnlicher“ Recruiter, soll besetzt werden mit ganzen 46 Wörtern. 46 Wörter völliger Inhaltslosigkeit und gleichzeitig geladen mit intensiver und  bedeutungsschwangerer Tragweite.  Ja, hier wird ein Personalleiter (m/w) gesucht, der sich in 46 Worten wiederfindet (soll), der neben Personalgewinnung, Personalmarketing, Personalbetreuung und Personalentwicklung auch noch flexibel ist??? Ja ne is klar, ich spreche auch vier Sprachen fließend und will noch pro Jahr zwei dazu lernen!

Sieben Worte sollen die gewünschten Fähigkeiten beschreiben, die diesen Rockstar ausmachen, diesen einen Rockstar, den es hiermit zu finden gilt.

21 Worte beschreiben die Aufgaben, die auf den neuen Personalleiter zukommen bzw., die sich in den alten Stellenausschreibungen ehemaliger Führungskräfte haben zusammenfassen lassen.

Ganze neun Worte hat man setzen lassen für die gewünschten Abschlüsse bzw. das erforderliche Bildungsniveau.

Ich möchte solche Stellenausschreibungen schlichtweg nicht mehr sehen, möchte weiterhin für eine Revolution im Bereich „Buchstaben-Talentfindung“ plädieren und mich für mehr Kreativität und Ernsthaftigkeit stark machen. 46 Worte sind schlichtweg zu wenig, um einen Rockstar zu finden!

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Leise und heimlich…


…hinter den Rücken der #Unternehmenskulturisten!

Wer bereits einmal von einem Headhunter angeschrieben wurde, kennt diese hülsenartigen, inhaltsleeren und austauschbaren Floskeln, die tatsächlich den Anspruch zu haben scheinen, den Gegenüber vom Stuhl zu hauen während ihm die Worte im Hals stecken bleiben: ein sooo tolles Angebot habe ich ja noch nie nie bekommen! *würg*!!!

Liebe Unternehmen, liebe HR- und Recruiting-Führungskräfte, habt ihr euch ernsthaft und mit nachhaltigem Anspruch mit den von euch beauftragten externen Personaldienstleistern kommuniziert und Ihnen auch nur im Ansatz versucht zu erklären, dass Personalgewinnung auch Unternehmenskultur sein sollte? Habt ihr die Zeit wirklich genutzt, um in Methoden und Strategien der Kopfjäger einen Einblick zu gewinnen, um zu spüren, wie eure Unternehmenskultur über einen Dritten kommuniziert wird? Anscheinend planen das die Wenigsten, was zum Leidwesen vieler Fachkräfte zu interpretieren ist. Es ist eine Schande, dass der Gedanke vorherrscht, Unternehmenskultur könnte von einem eigenen Mitarbeiter aus kommuniziert werden. Beispiele für das Gegenteil kenne ich genug.

Ich suche erst gar nicht nach hochtrabenden Worten für das, was ich eigentlich ausdrücken will, denn es nervt schlichtweg und kann unter Umständen auch richtig ankotzen!

Es nervt deshalb so sehr, weil wir HR-Blogger und HR-Recruiter jeden Tag in und neben unserer Tätigkeit dafür nutzen, um das oft zitierte angestaubte HR greifbarer, authentischer und transparenter zu machen und mit völlig verblödeten copypaste-Messages alles mit nur einem „Senden“ leise und heimlich hinter den Rücken der bemühten Unternehmenskulturisten fast schon mutwillig zerstört wird.

Das kann und darf euch in den Unternehmen nicht egal sein, denn neben den völlig irrationalen und exorbitanten Provisionen geht euch noch viel mehr verloren: eure Unternehmenskultur, wenn denn eine vorhanden ist!

Ach und damit ihr wisst, von was ich heute spreche:

„Es erwartet Sie ein sehr attraktives Gehaltspaket, eine abwechslungsreiche Tätigkeit, ein (…) dynamisches Team sowie attraktive Weiterentwicklungsperspektiven in einem wachsenden Unternehmen. Gerne würde ich mit Ihnen (…) über die Position sprechen. Ist diese Herausforderung für Sie von Interesse? Gerne würde ich mich hierzu mit Ihnen austauschen, um Ihnen einen tiefer gehenden Einblick in die Position, das Unternehmen (…) zu geben. Ich freue mich über eine Kontaktaufnahme Ihrerseits!“

Euer MJN


 

Ganz nah dran – ganz weit gedacht!


…wie Mitarbeiternähe eben kein Vorrecht der Führungskräfte sein darf!

Die Frage, die ich mir in meinen diversen Funktionen im Bereich der Personalgewinnung immer wieder gestellt habe ist, wie nah ist „nah am Mitarbeiter“ und kann ein „nah“ zu nah werden?

Mir ist bewusst, dass es hierauf keine universell gültige Antwort geben kann, eben aufgrund der Tatsache, dass Unternehmenskulturen unterschiedliche Ausprägungen beanspruchen und sie damit in gewissem Maße auch vorgeben (sollen), welche Form der Mitarbeiternähe gelebt werden darf. Nur genau hier scheint mir ein großes Problem verborgen: wie genau kann eine Unternehmenskultur eine Mitarbeiternähe diktieren und von welchem Management-Level soll oder muss sie gar praktiziert werden?

Ich habe Kollegen kennengelernt, die mich aufgrund ihres Talentes, den mannigfaltigsten Sachverhalt auf den kleinsten Kern zu reduzieren, begeisterten. Diese Kollegen waren u.U. auch mal Vorgesetzte, die mir durch bspw. genau solche Fähigkeiten sehr nahe waren. Das Gefühl gehabt zu haben, Gedankenfreiheit leben, wertfreie Impuls-Plapperer rauslassen und auch mal hitzige Erörterungen austragen zu können, das hat mich an Kollegen und Führungskräfte sehr nahe heran gebracht.

Allerdings kann es an diesem Scheidepunkt genau in das Gegenteil umschlagen und innerhalb einer Sekunde können sich zwei Mitarbeiter auf unterschiedlichen Business-Kontinenten befinden.

Eine Unternehmenskultur muss einen Erste-Hilfe-Kasten für solche Fälle bereit halten. Mitarbeiternähe muss nicht zwangsläufig ein Top-Down-Modell sein, was ein Vorrecht der Führungskräfte bedeuten würde. Das ist Unsinn.

Weshalb? Weil das bedeuten würde, dass Mitarbeiternähe ein Führungsinstrument ist, was absoluter Wahnsinn wäre. Mitarbeiternähe sollte ein Tool sein, was kein Tool ist. Mitarbeiternähe sollte eine gelebte Kommunikation sein, die es ermöglicht, als Erste-Hilfe-Kasten zu fungieren, um gemeinsame Ziele andenken und verfolgen zu können.

Mitarbeiternähe kann auf die unterschiedlichsten Weisen transportiert werden. Mein Lieblingsbeispiele kreisen alle um die „kleinen Dinge“,  um soft skills wie beispielsweise Anteilnahme an einer familiären Situation, Respekt für Entscheidungen und gleichwertige Betrachtung dieser, konstante Begeisterung für die eigenen Tätigkeit und natürlich auch die der anderen etc..

Mitarbeiternähe kann grundsätzlich nicht zu nah sein, solange sie echt ist!

Euer MJN


Namensschilder für Zweifler.


Kleine Nachricht – große Wirkung!

Ich habe schon einmal davon berichtet, dass es meiner Meinung nach nicht genügen kann, einen neuen Mitarbeiter mit herkömmlichem Merchandising-Material abzuspeisen und dabei zu glauben, dass er sich somit als wunschlos glücklich outet und jegliche Bindungskultur obsolet wird. Nein, meiner Ansicht nach gehört viel mehr dazu, eine offene Unternehmenskultur bereits vor dem ersten Tag zu transportieren, viel mehr gehört dazu, einem Mitarbeiter das Gefühl zu geben, wirklich ein Teil des neuen Ganzen zu werden, wirklich einen Beitrag leisten zu dürfen, wirklich ein Teammitglied zu werden.

Mir ist das passiert. Es fühlte sich sehr wertschätzend an und hat gleichzeitig den einen oder anderen Zweifel, der sich bei meinem Job-Wechsel-Hobby eingeschlichen hat, restlos elliminiert. Ein kleines Bild, eine kleine Nachricht kann große Wunder wirken. Ein Büroschild mit meinem Namen, in Auftrag gegeben, angebracht, bevor ich überhaupt einen Fuß über die Schwelle meines Büros als offizieller neuer Mitarbeiter gemacht habe.

Für einige ist das vielleicht „nur“ ein Schild mit einem Namen oder gar eine Nichtigkeit verglichen mit einem Laptop, Tablet oder Geschäftshandy…für mich ist es pure Vorfreude auf ein neues Kapitel in meinem (Berufs-)Leben.

Um nun die Brücke zu meinem letzten 2016-Post zu schlagen, kann eine klitzekleine Nachricht so viel bewirken. Eine Nachricht an einen Menschen, der euch dieses Jahr inspiriert, beeindruckt oder auch sprachlos gemacht hat. Es gibt diese Begegnungen, diese „Namensschilder“ vielleicht immer wieder, aber wir sollten unseren Blick schulen, sie auch immer wieder sehen zu können. Wir erziehen uns selbst darin, Hürden zu errichten und diese als Grund für unseren Stilstand zu nennen. Wir reden uns Ängste ein, die eigentlich nur Faulheit oder Feigheit sein könnten. Wir erkennen Momente nicht mehr als Momente, sondern als lähmende Phasen an.

Wieso nicht auch eine kleine Nachricht an uns selbst mit einem Namensschild schicken?

Euer MJN.

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