Die Welt verändert sich! Weshalb nicht daran teilnehmen?

Heute ein Beitrag in gänzlich eigener Sache, in einer emotionalen Sache, in einer bekanntermaßen philosophischen Sache. Die Welt verändert sich, das sagte eine Freundin am Telefon zu mir als Antwort auf unzählige Fragen bzgl. der Fähigkeit, sich selbst darin zu positionieren. Die Welt verändert sich, in der alltäglichen Wahrnehmung rasant und unaufhaltsam. Vielleicht mag das stimmen, vielleicht tröstet das hinweg über die eine oder andere unlösbare Frage, aber was genau verändert sich da und wie kann ich selbst daran teilnehmen?

Der Klassiker schlechthin ist das Zitat Mahatma Gandhis „Sei du selbst die Veränderung in der Welt“ und unzählige weitere Quotes, wenn es ums eigene gesellschaftliche Überleben geht. Das mag wahr sein, doch wie genau kann ich überhaupt Teilnehmer sein in einer unaufhörlich bewegenden Umwelt?

Es mag richtig sein, dass wir uns aufgrund der Vielzahl in Informationen, der Vielzahl an Lebensmöglichkeiten, der Vielzahl an Kontakten schwer damit tun, einen kühlen Kopf zu bewahren, allerdings lass ich mich nicht darin beirren, dass es eine Möglichkeit gibt.

Neben der Lektüre „10 Regeln für Demokratieretter“ habe ich mir seit Jahren den Kopf darüber zerbrochen, wie Aktion und Reaktion miteinander kollidieren und harmonieren und um es vorweg zu nehmen, ich habe keine Antwort. Vielleicht ist das aber auch die Antwort. Vielleicht möchte ich nicht herausfinden, wie die Antwort darauf ist, weil es dann zu Ende wäre, weil es dann damit beendet wäre? Okay, weniger „metaphilosophisch“, mehr praktisch.

In der Persönlichkeitsentwicklung und auch in anderen angrenzenden Bereichen der psychologischen Forschung wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass wir ein aktiver Teil der Veränderung sind bzw. sein können. Die Entscheidung dafür müssen wir selbst treffen. Es ist wahr, dass äußere Umstände uns zum Nachdenken, Umdenken, Umplanen und „Andersplanen“ zwingen, allerdings ist es nicht wahr, dass wir es nicht selbst steuern können.

Der Einzelne kann zählen

Ob politische Partei, Peer Group oder Verein: Zusammenschlüsse jeglicher Art sind wichtig und machen einzelne Meinungen zu Sammelmeinungen. Das ist wahr. Doch in der Philosophie der Ideen werden Ideen als subjektive Gedanken definiert. Also zählt nun mal doch der Einzelne unabhängig davon, wie viele andere Menschen meine Idee ebenfalls denken. Ich scheue mich davor, einzelne historische Figuren zur Schau zu stellen, aber eventuell wird es dadurch greifbarer. Einzelne Charaktere sind verantwortlich für eine Massenbildung, also weshalb nicht ein Einzelner sein?

Kraft

Ich gebe zu, manchmal möchte ich tatsächlich alles und jeden hinschmeißen, möchte aufhören zu denken und aufhören, mich unentwegt zu zwingen, neue und außergewöhnliche Ideen zu entwickeln, weil ich müde geworden bin. Doch wieso nicht damit anfangen, neue Perspektiven zuzulassen, neue Impulse aufzunehmen, etwas zu denken, was ich noch nie zuvor gedacht habe. Wieso nicht damit aufhören, krampfhaft Neues zu erschaffen und damit beginnen, Vergangenes zu entdecken und daraus Kraft zu schöpfen?

Jedes Wort ist essentiell

Es stimmt, die, die mich kennen wissen, dass ich ein lautes und anführendes Naturell habe. Das hilft oft, schadet aber auch. Aus voller Überzeugung glaube ich, dass es nicht ausschließlich solche Menschen braucht, es braucht nachdenkliche, introvertierte und sachliche Menschen, die einen Gegenpol bilden. Jedes Wort kann zählen, ob nachgedacht oder nicht, impulsiv oder rational überlegt. Veränderungen haben keine Regel.

Change it, or leave it!

Die meisten denken bei diesem Ausspruch daran, dass ein Kollege/eine Kollegin diesen Satz auf die eigenen Beschwerden am Arbeitsplatz geantwortet hat. So möchte ich das hier nicht betrachten: vielmehr sehe ich diesen Ausspruch als Aufruf zur Übernahme von Verantwortung. Und das stimmt, man kann es im beruflichen Kontext auch genau so oft beobachten: Aufgaben, die nicht in meinen Verantwortungsbereich gehören, erledige ich nicht. Bullshit: Es ist unser aller Aufgabe!

Das „Wie“ ist wichtig, das war´s dann aber auch schon

Geht tief in euch und spürt, dass wir zu oft den Fokus auf das „Wie“ legen. Das bremst uns, das lähmt und, das erschlägt uns. Das lasse ich nicht mehr zu. Ich möchte meine Gedanken um das Warum und das Wohin kreisen lassen, möchte Teilhaber sein, möchte prägen. Ich glaube, wenn der Entschluss gefasst ist, ändern zu wollen, entwickelt sich eine „Wie-Eigendynamik“.

Warten

Okay, ich gebe es zu: ich hasse warten! Dachte ich, das hat sich geändert. Warten ist Ruhe, Reflexion und Atmen. Stimmt. Doch zu lange sollten wir nicht warten. Chaos ist Veränderung am Anfang, Inspiration Veränderung am Ende!

Mariah Carey hatte recht

Habt Fantasie!!!


EUER MJN

 

Was George Berkeley (1685-1753) und ich gemeinsam haben…

…ist die Wahrnehmung, dass wir oft grundsätzlich missverstanden werden!

George Berkeley war neben seiner Tätigkeit als Denker und Philosoph ein visionärer Bekämpfer der Arbeitslosigkeit und engagierte sich gegen das Bettlerunwesen und die Trunksucht seiner Zeit. Er war soziogeographisch tätig und verbesserte Boden und Wege zur besseren Transportmöglichkeit und machte sich einen Namen in der Sozialfürsorge, indem er einen Beitrag zur Steigerung der wirtschaftlichen Leistungs- und Kreditfähigkeit und zur finanziellen Sanierung leistete. Daneben stand Berkeley für eine Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen England und Irland, sowie für die Gleichberechtigung von Katholiken und Protestanten ein.

Okay, den Willen, politische wie auch soziale Missstände nicht als gegeben, sondern als veränderbar anzunehmen haben wir durchaus gemeinsam, aber vergleichen kann und möchte ich mich nicht mit diesem für mich sehr wichtigen Charakter der Geschichte.

Selbstkritik

Ich möchte heute eine These von Berkeley zum Anlass nehmen, Selbstkritik zu üben und kontemplativ darüber nachzudenken, weshalb ich oft das Gefühl habe, nicht verstanden zu werden. Was mich letztendlich dazu bringt, auch wenn ich mich mehr als oft dagegen wehre, diese eine bestimmte Opferrolle einzunehmen und nur schwerlich wieder heraus gelange, das bringt Berkeley ganz nah an mich heran.

Der gute George musste so einige harte Kritik einstecken, die meiste davon post mortem. Hochkaräter wie Kant bspw. fanden in der Auffassung Berkeley ein gefundenes Fressen, Themen wie Wahrnehmung und Existenz zu den eigenen Gunsten auszulegen.

Initialzündung

Ach, bevor ich es vergessen: ausschlaggebend für die Kritik an dem britischen Denker war die Idee der Vorsokratiker und auch Platons, dass alle Existenz der Dinge in unserer Welt rein deswegen existieren, weil sie nur in unserer Wahrnehmung als Idee funktionieren. Philosophisch, ich weiß. Lasst es mich so sagen: Berkeley dachte, dass ein Ding bspw. ein Stuhl nur dann ein existierender Stuhl ist, wenn ich in meiner Wahrnehmung einen Stuhl als Idee habe.

Berkeley hat diese Meinung detailliert in seinem philosophischen Tagebuch ausgeführt und diesen Wahrnehmungsapparat auf die einzelnen Sinne des Menschen angewandt:

„Der Zweck meiner Arbeit ist darzutun, wie wir mit Hilfe des Gesichtssinnes Entfernung, Größe und Lage von Gegenständen wahrnehmen, ferner auch den Unterschied zu betrachten, der zwischen den Wahrnehmungen des Gesichtssinnes und denen des Tastsinnes besteht, und zu untersuchen, ob es eine Idee [hier = Vorstellung] gibt, die beiden Sinnen gemeinsam ist“

Berkeley behauptet noch weiter, dass der Geist als Ursache der Ideen und der Dinge anzusehen ist und, dass es keine Materie wie bspw. körperliche Substanz geben kann.

Uff, schwere Kost. Dabei möchte ich es erst einmal belassen und mich auf die Kritikfähigkeit dessen beziehen und die Idee, ha, wie man mit seinem eigenen Weltbild, egal, wie in sich schlüssig und auch logisch konzipiert es ist, gegen Wände rennen kann.

Er wäre sehr traurig gewesen

Berkeley musste sich gefallen lassen, wie ihm vorgeworfen wurde, dass er die Dinge der Welt degradieren würde, wie er zum einen empirisch und zum anderen logisch argumentieren würde, sich das aber gegenseitig abstoßen solle. Andere finden, Berkeley war naiv und hatte ein destruktives Weltbild.
Hätte Berkeley diese Kritik bei Leibe gehört, er wäre sehr traurig gewesen.
Doch zu der Gemeinsamkeit, von der ich glaube, dass sie mich zu einem kleinen Berkeley macht: wir kämpfen für unsere Ideenwelt, wir stehen ein für unsere Ideen und Prinzipien und laufen Gefahr, ein Konstrukt aus ursprünglich nachvollziehbaren Ideen zu entwickeln, welches es unglaublich schwierig macht, den Kern unseres Seins und unseres Wesens zu erklären. Wir, Berkeley und ich sind Idealisten, philosophische Idealisten, denen es schwer fällt, hart erarbeitete Gerüste abzubauen und einzusehen, dass wir abgekommen sind, von dem, was wir wirklich sagen wollen.
Ich gebe zu, ich bin ein kleiner Berkeley und ich möchte sagen, dass Wahrnehmung für mich mehr als eine Idee ist.
Euer MJN.
Bildquelle: https://www.essentiallifeskills.net/george-berkeley-quotes.html

Robo-Talk!


…schnell zu sprechen kann so charmant sein!

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Heute ist ein Artikel bei spiegelonline.de erschienen, der mich aufgrund seiner zahlreichen Teilungen und Likes auf allen Business Networks rasch ereilt hat. Der Artikel „Vorstellungsgespräch: Bewerber reden jetzt mit dem Computer“ beschreibt eine gar nicht so weit in der Zukunft liegende Bewerbersituation, in der der Kandidat durch die Analyse seiner „Wortwahl, Satzstruktur und Stimme mithilfe komplexer Algorithmen“ von einer Software interviewt wird. Gruselig und doch sexy zugleich.

Der Artikel von Matthias Martens ist sehr vorsichtig verfasst und weist auf mögliche Gefahren hin, die ich gerne noch etwas weitertreiben möchte.

Der Recruiting-Coach Henrik Zaborowski spricht u.a. in seinem Blog (http://www.hzaborowski.de/hr-blogroll/) in mehreren seiner Beiträge davon, wie essentiell wichtig der Bewerbungsprozess für eine nachhaltige Ausprägung der eigenen Unternehmenskultur ist und die ganze HR-Welt stimmt mit ein. Zu Recht!

Zu Recht deswegen, weil keine Computerstimme der Welt den ersten menschlichen Kontakt eines Bewerbers zu – in bestem Fall – dem Ansprechpartner seines Wunschunternehmens ersetzen kann. Doch wieso ist das so unabdingbar für eine konsistente und erfolgreiche Unternehmenskultur?

Versetzen wir uns einmal zurück in die Lage als wir als Absolventen unseren ersten „richtigen“ Job gesucht haben. Der Eine hatte Glück und ist durch seine Tätigkeit als Werksstudent oder Praktikant bereits mit Unternehmen und Kultur in Berührung gekommen, die Anderen leider nicht und mussten sich zuerst auf dem hiesigen Arbeitsmarkt eine eigene Ich-Kultur schaffen und wiederum eine andere suchen, die eben dazu passt.

Die ersten Bewerbungen gingen raus, das erste Telefoninterview stand an. Der Arsch ging mir auf Grundeis, ich hatte so gar keine Idee, was da auf mich zukommen würde. Worüber sollte ich erzählen, ich habe ja „nur“ studiert und etwas nebenbei gejobbt. Und über meine Hobbies werden wir wohl nicht sprechen, oder interessiert es den Personaler, dass ich gerne am Wochenende mit meinem besten Freund feiern gehe, um diese ganze Jobsuche für einen einzigen Abend zu vergessen? Alles klar, ich war also unfassbar nervös, was mir wohl die wenigste glauben werden, wenn sie mich heutzutage kennen lernen. Auch mir passiert es einmal, dass ich keinen sinnvollen Satz herausbekomme, ein Schlagwort nach dem anderen rausballere, wie ich es eben aufgeschnappt habe und keine Verbindung dazwischen herstellen kann. Klar, und dann kommt noch dazu, dass ich, wenn ich nervös bin, schneller rede (das hatte schon meine Dozentin an der Uni kritisiert) – na gut, dann versuche ich das auch noch zu regulieren. „Herr Nickeleit, leider versteht man Sie nicht richtig, wenn Sie so schnell sprechen, auch wenn Sie es charmant versuchen zu übergehen.“ Na super, also diesen Charme, gespickt von eins zwei kleinen Wortwitzen, den sollte ich also anbringen, das wird den Personaler sicherlich überzeugen.“ ERROR!

Und jetzt verbinden wir einmal diese autobiografischen Angstzustände mit der Idee, dass da ein Computer am anderen Ende der Leitung aktiv ist, der aufgrund komplizierter und mir nicht transparenter Algorithmen entscheiden soll, ob meine Wortwahl auf „Eigenschaften wie Neugier, Risikofreude, Motivation oder Belastbarkeit“ schließen lässt. Anhand der Anzahl der von mir benutzen Verben und Adjektive soll ebenfalls abgeleitet werden, ob ich in das Unternehmen aufgrund der Skalierung meiner Eigenschaften passe oder nicht. Ja, ne is´ klar.

Für mich ist das in Zeiten des War for Talents fast schon ein Schritt zurück, battlen wir uns doch ständig damit, noch cooler auf dem Markt zu werden und eine noch begehrlichere Arbeitgebermarke zu etablieren. Wie sexy kann Siri bspw. wirklich sein?

Ich glaube, dass man sich mit diesem Recruiting-Tool keinen Gefallen macht, wenn es darum geht, bereits bei dem ersten Kontakt mit dem Bewerber ein Stück der eigenen Unternehmenskultur zu transportieren und somit meine Stimme nicht als Algorithmus, sondern als Docking-Station nutze. Ich glaube, dass wir in einer Zeit angelangt sind, in der Wertschätzung nicht nur Ausdruck einer Gehaltserhöhung oder eines betrieblichem Kindergarten ist, sondern Symbol für eine individuelle und nachhaltige Betreuung jedes Kandidaten und schlussendlich Mitarbeiters sein sollte.

Algorithmen hin oder her: schnell zu sprechen kann so charmant sein!

Euer MJN.