Auf $-Augenhöhe!


Das Modell der Lohngleichheit auf us-amerikanisch!

In einer Studie der Princeton-Universität  aus dem Jahr 2010 (http://www.pnas.org/content/107/38/16489.full) wird deutlich, dass es ein Jahresgehalt von mindestens 75.000 US-Dollar braucht (ca. 63.000 Euro p.a.), um das emotionale Wohlbefinden eines Mitarbeiters zu steigern und auch zu sichern. Gesagt! Getan! So stellte der Tech-Unternehmer Dan Price aus Seattle seinen gesamten Payroll-Haushalt auf den Kopf und sicherte jedem seiner 120 Mitarbeiter ein jährliches Grundeinkommen von 70.000 US-Dollar, unabhängig von Position und Verantwortungsbereich. Kritische Kritikkritiker mögen jetzt kurz die Luft anhalten, mit den Augen rollen und affektiert auf den Brillenbügeln rumkauend anmerken,  wie das gerechtfertigt sein kann, dass eine Bürokraft genauso viel Gehalt erhält wie ein Teamleader Sales?

Tadaaaa…….mit Unternehmenskultur!

Der Unternehmer kürzte sein eigenes Gehalt von knapp 1 Million US-Dollar, damit er diesen „Überschuss“ unter seinen Mitarbeitern zu gleichen Teilen vergeben konnte. Neben den 120 persönlichen Geschichten, die Price damit maßgeblich positiv beeinflussen konnte, geht es um noch so viel mehr. Es geht darum, dass sich ein Unternehmer zu jedem einzelnen seiner Mitarbeiter öffentlich bekennt. Es geht darum, dass ein Unternehmer das eigene Fort verlässt, um seinen Mitarbeitern, Erfolgsträgern und Zukunftsträgern näher zu sein. Es geht darum, ein großes Stück Unternehmenskultur zu transportieren, indem Price die Lohngleichheit einführt.

Es gab und gibt immer wieder KMUs, die sich daran versuchen, transparente Vergütungssysteme und auch offene Dialoge bzgl. einer offenen und sich ausbalancierenden Gehaltstruktur einzuführen, die wenigsten unter ihnen können damit leider Erfolge verzeichnen. Ich möchte davon absehen, hier Studie über Studie zu zitieren, die einstimmig belegen, dass das Gehalt nicht Motivationsantreiber aller erster Güte  ist, dicht gefolgt von den ominösen flexiblen Arbeitszeiten und schutzschildähnlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Allen voran steht Vertrauen und Verantwortung, beiderseitig. Und wenn dieser Unternehmer das nicht bewiesen hat, bringen uns auch letztendlich kein google-Campus oder kostenfreie i-Phones bei Apple weiter.

Unternehmenskultur heißt, Transparenz schaffen, Innovationen zulassen und Mut beweisen. Unternehmenskultur heißt aber auch, seine Mitarbeiter als Erfolgsträger anzuerkennen. Unternehmenskultur bedeutet auch, Vertrauen zu schenken und Vertrauen zu ernten.  Der Umsatz von Gravity Payments (Price´ Software für bargeldlose Bezahlungen) schnellte in die Höhe,  die Kundenanfragen schossen durch die Decke und es wurden mehr als zehn neue Mitarbeiter, die wohl mehr als leicht rekrutiert werden konnten, eingestellt. Allerdings musste Price auch mit unangenehmen und kritischen Aussagen umgehen lernen. Regionale Unternehmer fanden es gar nicht so cool, dass ein Boss mit diesem gewaltigen Gehaltssprung seiner Mitarbeiter den Mindestlohn sozusagen außer Kraft setzte und sich somit natürlich eine Monopolstellung in Bezug auf (s)eine Arbeitgeberattraktivität schuf. Den anderen Unternehmers fiel es sehr schwer, hier mitzuhalten, ohne dabei schnell als „geizig“ abgestempelt zu werden. Das zeigt uns, dass wir noch nicht da angekommen sind, wo der Tech-Unternehmer Dan Price wohl schon angekommen ist. Das zeigt uns, dass der Weg begehbar ist, wir uns nur noch nicht getraut haben.

Euer MJN.


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u.a.@unpersönlich.de

Sie vertragen sich „gut“

In dem kürzlich auf spiegel.de erschienenen Artikel „Stuss in Stellenanzeigen“ beziffert die Redaktion das, was wir eigentlich schon alle wissen: Stellenanzeigen sind meist inhaltsleere Gerüste missglückter Kommunikation von Unternehmenskulturen.  „Im Rahmen“ meiner Blogger-Tätigkeit ist dieser Artikel erneut ein Ausdruck lustloser ähm „engagierter“ Bemühungen neue „Kollegen und Kolleginnen“ mit „Einsatzbereitschaft“, „Flexibilität“ und „Freude“, für „Kunden“, „Team“ und den gesamten „Bereich“ zu gewinnen. Bla!

Alleinstellungsmerkmale werden hierbei knallhart ausgeblendet, Begehrlichkeit &  DNA des Unternehmens gar nicht erst genannt.

Nur jede dritte untersuchte Stellenanzeige habe eine anklickbare E-Mail Adresse enthalten – und die sei dann meist völlig unpersönlich gewesen. Die beliebtesten Varianten: „bewerbung@“, „karriere@“ und „jobs@“ (spiegel.de, siehe http://culture-me.de/quergedacht/)

Hier fehlt ganz klar der Mut für ein: dein_talentsourcer_maurice@wir_freuen_uns_auf_den_austausch_mit_dir.de?

Wieso glaubt man einen „guten“ Mitarbeiter zu finden (das war der TOP-Anspruch aller von Spiegel befragter Arbeitgeber an Neuzugänge), wenn man selbst überhaupt gar gar gar nicht gut ist?

Kreativ wollen alle sein, nur die wenigsten schaffen den Sprung von Template zu Work-Mate!

Unpersönliche Stellenanzeigen erleben derzeit ein Revival, was seltsamerweise aber ja niemand so richtig verantwortet. Ob Bereitstellung, Erbringung, Identifizierung oder Finanzsteuerung (die meisten Wörter, die in den Stellenanzeigen gefunden wurden, endeten auf –ung) –  meiner Meinung nach fehlt Mut-ung, Authentizitä-ung, Provokation-ung und Interesse-ung.

Beispiele, wenn auch extrem, gibt es, Nicht wenige, aber wenig „gute“ wie bspw. diese Anzeige der Agentur Jung v. Matt, die beweist, dass u.a. Moderne sich extrem gut mit u.a. Aufgaben und u.a. Anforderungen verträgt.

Sie vertragen sich "gut"
Sie vertragen sich „gut“