Ich scheitere also bin ich!

Fuckup Nights: Wenn Scheitern zum Motivator wird

schrieb CEBIT Online im Februar 2016 über eines junges Veranstaltungsformat, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, individuelle Geschichten des persönlichen und beruflichen Scheiterns auf die Bühne zu bringen und sie somit einem breiten Publikum zugänglich zu machen. In Mexico City gestartet, hat sich dieses ganz besondere Format über den gesamten Globus rasend schnell verbreitet und findet auch in Mannheim seine Anhänger.

Es war im März 2017 als ich das erste Mal selbst bei einer FuN (FuckUp-Night) in Mannheim als Zuschauer teilgenommen habe und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es mich nachhaltige sehr beeindruckt hat. Eine Freundin ist die Organisatorin der Veranstaltungsreihe, so konnte ich davon ausgehen, dass es eine coole Geschichte werden würde. Dass es so cool werden würde, das hätte ich nicht gedacht. Nicht nur, dass es in genialen Locations in und rundum Mannheim stattfindet, auch dieses besondere und vor Kreativität strotzende Publikum beflügelt mich.

Das Prinzip ist kurz und schnell erklärt: vier Speaker, welche sich im Voraus hierfür anmelden können, erzählen in einer vorgegebenen Zeit ihre eigene, kleine oder große, „Scheiter-Geschichte“ und legen einen glänzenden Seelenstriptease hin. Es kam auch schon vor, dass ein Speaker durch eine Greencard am Abend selbst spontan seine Geschichte zum Besten geben durfte….ich habe vorerst dankend abgelehnt:-)

Nachdem jeder Speaker seine Erzählung beendet hat, hat das Publikum die Möglichkeit, individuelle Fragen an jeden zu richten. Unglaublich, welche Energie hier freigesetzt wurde.

CEBIT-Online schreibt, dass Scheitern hier zum Motivator wird, für mich allerdings ist es vielmehr als das. Jede einzelne Geschichte berührt, rüttelt wach, macht nachdenklich und zeigt, wie stark man sein kann oder auch muss. Ob es ein riesiger Schuldenberg ist, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Rolle als Frau in einer Managementposition, die eigene Vergangenheit oder der harte Weg in kreativen Berufen: jeder Speaker verdient hier vollsten Respekt für seinen Mut, seine Offenheit und seine Transparenz.

Anfangs dachte ich, es könnte eine Form des Mitleids bei mir auftreten, was sich allerdings schnell in Luft aufgelöst hat. Diese unglaubliche Gewalt und Selbstsicherheit, die die Speaker einem von der Bühne ins Gesicht klatschen, haut mich heute noch um.

Ich konnte einen Typen kennenlernen, der durch eine Greencard seinen Mut beweisen wollte und spontan an einem Abend zum Speaker wurde. Er sprach davon, dass er aufgrund fehlenden Personals im Bereich IT sein Startup in naher Zukunft wohl schließen müsse, die Investoren sehen wohl keine Zukunft mehr in diesem Projekt. Wir haben uns unterhalten, haben uns via E-Mail ausgetauscht und ich konnte diesen unbändigen Willen eines Startup-Gründer sozusagen am eigenen Leib spüren. Leider ist es so eingetreten, wie er es selbst prophezeit hat und er musste die Türen schließen. Allerdings nur eine Tür, nicht seinen Elan, seine Idee und seinen ungebrochenen Willen.

Für jeden, der sich dafür interessiert, wie andere mit den Themen „Herausforderung“, „Scheitern“ und „Selbsterkenntnis“ umgehen, rate ich unbedingt zu einer Veranstaltung der FuN: https://fuckupnights.com und https://www.facebook.com/funmannheim/

Euer MJN

Ganz nah dran – ganz weit gedacht!


…wie Mitarbeiternähe eben kein Vorrecht der Führungskräfte sein darf!

Die Frage, die ich mir in meinen diversen Funktionen im Bereich der Personalgewinnung immer wieder gestellt habe ist, wie nah ist „nah am Mitarbeiter“ und kann ein „nah“ zu nah werden?

Mir ist bewusst, dass es hierauf keine universell gültige Antwort geben kann, eben aufgrund der Tatsache, dass Unternehmenskulturen unterschiedliche Ausprägungen beanspruchen und sie damit in gewissem Maße auch vorgeben (sollen), welche Form der Mitarbeiternähe gelebt werden darf. Nur genau hier scheint mir ein großes Problem verborgen: wie genau kann eine Unternehmenskultur eine Mitarbeiternähe diktieren und von welchem Management-Level soll oder muss sie gar praktiziert werden?

Ich habe Kollegen kennengelernt, die mich aufgrund ihres Talentes, den mannigfaltigsten Sachverhalt auf den kleinsten Kern zu reduzieren, begeisterten. Diese Kollegen waren u.U. auch mal Vorgesetzte, die mir durch bspw. genau solche Fähigkeiten sehr nahe waren. Das Gefühl gehabt zu haben, Gedankenfreiheit leben, wertfreie Impuls-Plapperer rauslassen und auch mal hitzige Erörterungen austragen zu können, das hat mich an Kollegen und Führungskräfte sehr nahe heran gebracht.

Allerdings kann es an diesem Scheidepunkt genau in das Gegenteil umschlagen und innerhalb einer Sekunde können sich zwei Mitarbeiter auf unterschiedlichen Business-Kontinenten befinden.

Eine Unternehmenskultur muss einen Erste-Hilfe-Kasten für solche Fälle bereit halten. Mitarbeiternähe muss nicht zwangsläufig ein Top-Down-Modell sein, was ein Vorrecht der Führungskräfte bedeuten würde. Das ist Unsinn.

Weshalb? Weil das bedeuten würde, dass Mitarbeiternähe ein Führungsinstrument ist, was absoluter Wahnsinn wäre. Mitarbeiternähe sollte ein Tool sein, was kein Tool ist. Mitarbeiternähe sollte eine gelebte Kommunikation sein, die es ermöglicht, als Erste-Hilfe-Kasten zu fungieren, um gemeinsame Ziele andenken und verfolgen zu können.

Mitarbeiternähe kann auf die unterschiedlichsten Weisen transportiert werden. Mein Lieblingsbeispiele kreisen alle um die „kleinen Dinge“,  um soft skills wie beispielsweise Anteilnahme an einer familiären Situation, Respekt für Entscheidungen und gleichwertige Betrachtung dieser, konstante Begeisterung für die eigenen Tätigkeit und natürlich auch die der anderen etc..

Mitarbeiternähe kann grundsätzlich nicht zu nah sein, solange sie echt ist!

Euer MJN