Die Welt verändert sich! Weshalb nicht daran teilnehmen?

Heute ein Beitrag in gänzlich eigener Sache, in einer emotionalen Sache, in einer bekanntermaßen philosophischen Sache. Die Welt verändert sich, das sagte eine Freundin am Telefon zu mir als Antwort auf unzählige Fragen bzgl. der Fähigkeit, sich selbst darin zu positionieren. Die Welt verändert sich, in der alltäglichen Wahrnehmung rasant und unaufhaltsam. Vielleicht mag das stimmen, vielleicht tröstet das hinweg über die eine oder andere unlösbare Frage, aber was genau verändert sich da und wie kann ich selbst daran teilnehmen?

Der Klassiker schlechthin ist das Zitat Mahatma Gandhis „Sei du selbst die Veränderung in der Welt“ und unzählige weitere Quotes, wenn es ums eigene gesellschaftliche Überleben geht. Das mag wahr sein, doch wie genau kann ich überhaupt Teilnehmer sein in einer unaufhörlich bewegenden Umwelt?

Es mag richtig sein, dass wir uns aufgrund der Vielzahl in Informationen, der Vielzahl an Lebensmöglichkeiten, der Vielzahl an Kontakten schwer damit tun, einen kühlen Kopf zu bewahren, allerdings lass ich mich nicht darin beirren, dass es eine Möglichkeit gibt.

Neben der Lektüre „10 Regeln für Demokratieretter“ habe ich mir seit Jahren den Kopf darüber zerbrochen, wie Aktion und Reaktion miteinander kollidieren und harmonieren und um es vorweg zu nehmen, ich habe keine Antwort. Vielleicht ist das aber auch die Antwort. Vielleicht möchte ich nicht herausfinden, wie die Antwort darauf ist, weil es dann zu Ende wäre, weil es dann damit beendet wäre? Okay, weniger „metaphilosophisch“, mehr praktisch.

In der Persönlichkeitsentwicklung und auch in anderen angrenzenden Bereichen der psychologischen Forschung wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass wir ein aktiver Teil der Veränderung sind bzw. sein können. Die Entscheidung dafür müssen wir selbst treffen. Es ist wahr, dass äußere Umstände uns zum Nachdenken, Umdenken, Umplanen und „Andersplanen“ zwingen, allerdings ist es nicht wahr, dass wir es nicht selbst steuern können.

Der Einzelne kann zählen

Ob politische Partei, Peer Group oder Verein: Zusammenschlüsse jeglicher Art sind wichtig und machen einzelne Meinungen zu Sammelmeinungen. Das ist wahr. Doch in der Philosophie der Ideen werden Ideen als subjektive Gedanken definiert. Also zählt nun mal doch der Einzelne unabhängig davon, wie viele andere Menschen meine Idee ebenfalls denken. Ich scheue mich davor, einzelne historische Figuren zur Schau zu stellen, aber eventuell wird es dadurch greifbarer. Einzelne Charaktere sind verantwortlich für eine Massenbildung, also weshalb nicht ein Einzelner sein?

Kraft

Ich gebe zu, manchmal möchte ich tatsächlich alles und jeden hinschmeißen, möchte aufhören zu denken und aufhören, mich unentwegt zu zwingen, neue und außergewöhnliche Ideen zu entwickeln, weil ich müde geworden bin. Doch wieso nicht damit anfangen, neue Perspektiven zuzulassen, neue Impulse aufzunehmen, etwas zu denken, was ich noch nie zuvor gedacht habe. Wieso nicht damit aufhören, krampfhaft Neues zu erschaffen und damit beginnen, Vergangenes zu entdecken und daraus Kraft zu schöpfen?

Jedes Wort ist essentiell

Es stimmt, die, die mich kennen wissen, dass ich ein lautes und anführendes Naturell habe. Das hilft oft, schadet aber auch. Aus voller Überzeugung glaube ich, dass es nicht ausschließlich solche Menschen braucht, es braucht nachdenkliche, introvertierte und sachliche Menschen, die einen Gegenpol bilden. Jedes Wort kann zählen, ob nachgedacht oder nicht, impulsiv oder rational überlegt. Veränderungen haben keine Regel.

Change it, or leave it!

Die meisten denken bei diesem Ausspruch daran, dass ein Kollege/eine Kollegin diesen Satz auf die eigenen Beschwerden am Arbeitsplatz geantwortet hat. So möchte ich das hier nicht betrachten: vielmehr sehe ich diesen Ausspruch als Aufruf zur Übernahme von Verantwortung. Und das stimmt, man kann es im beruflichen Kontext auch genau so oft beobachten: Aufgaben, die nicht in meinen Verantwortungsbereich gehören, erledige ich nicht. Bullshit: Es ist unser aller Aufgabe!

Das „Wie“ ist wichtig, das war´s dann aber auch schon

Geht tief in euch und spürt, dass wir zu oft den Fokus auf das „Wie“ legen. Das bremst uns, das lähmt und, das erschlägt uns. Das lasse ich nicht mehr zu. Ich möchte meine Gedanken um das Warum und das Wohin kreisen lassen, möchte Teilhaber sein, möchte prägen. Ich glaube, wenn der Entschluss gefasst ist, ändern zu wollen, entwickelt sich eine „Wie-Eigendynamik“.

Warten

Okay, ich gebe es zu: ich hasse warten! Dachte ich, das hat sich geändert. Warten ist Ruhe, Reflexion und Atmen. Stimmt. Doch zu lange sollten wir nicht warten. Chaos ist Veränderung am Anfang, Inspiration Veränderung am Ende!

Mariah Carey hatte recht

Habt Fantasie!!!


EUER MJN

 

Was George Berkeley (1685-1753) und ich gemeinsam haben…

…ist die Wahrnehmung, dass wir oft grundsätzlich missverstanden werden!

George Berkeley war neben seiner Tätigkeit als Denker und Philosoph ein visionärer Bekämpfer der Arbeitslosigkeit und engagierte sich gegen das Bettlerunwesen und die Trunksucht seiner Zeit. Er war soziogeographisch tätig und verbesserte Boden und Wege zur besseren Transportmöglichkeit und machte sich einen Namen in der Sozialfürsorge, indem er einen Beitrag zur Steigerung der wirtschaftlichen Leistungs- und Kreditfähigkeit und zur finanziellen Sanierung leistete. Daneben stand Berkeley für eine Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen England und Irland, sowie für die Gleichberechtigung von Katholiken und Protestanten ein.

Okay, den Willen, politische wie auch soziale Missstände nicht als gegeben, sondern als veränderbar anzunehmen haben wir durchaus gemeinsam, aber vergleichen kann und möchte ich mich nicht mit diesem für mich sehr wichtigen Charakter der Geschichte.

Selbstkritik

Ich möchte heute eine These von Berkeley zum Anlass nehmen, Selbstkritik zu üben und kontemplativ darüber nachzudenken, weshalb ich oft das Gefühl habe, nicht verstanden zu werden. Was mich letztendlich dazu bringt, auch wenn ich mich mehr als oft dagegen wehre, diese eine bestimmte Opferrolle einzunehmen und nur schwerlich wieder heraus gelange, das bringt Berkeley ganz nah an mich heran.

Der gute George musste so einige harte Kritik einstecken, die meiste davon post mortem. Hochkaräter wie Kant bspw. fanden in der Auffassung Berkeley ein gefundenes Fressen, Themen wie Wahrnehmung und Existenz zu den eigenen Gunsten auszulegen.

Initialzündung

Ach, bevor ich es vergessen: ausschlaggebend für die Kritik an dem britischen Denker war die Idee der Vorsokratiker und auch Platons, dass alle Existenz der Dinge in unserer Welt rein deswegen existieren, weil sie nur in unserer Wahrnehmung als Idee funktionieren. Philosophisch, ich weiß. Lasst es mich so sagen: Berkeley dachte, dass ein Ding bspw. ein Stuhl nur dann ein existierender Stuhl ist, wenn ich in meiner Wahrnehmung einen Stuhl als Idee habe.

Berkeley hat diese Meinung detailliert in seinem philosophischen Tagebuch ausgeführt und diesen Wahrnehmungsapparat auf die einzelnen Sinne des Menschen angewandt:

„Der Zweck meiner Arbeit ist darzutun, wie wir mit Hilfe des Gesichtssinnes Entfernung, Größe und Lage von Gegenständen wahrnehmen, ferner auch den Unterschied zu betrachten, der zwischen den Wahrnehmungen des Gesichtssinnes und denen des Tastsinnes besteht, und zu untersuchen, ob es eine Idee [hier = Vorstellung] gibt, die beiden Sinnen gemeinsam ist“

Berkeley behauptet noch weiter, dass der Geist als Ursache der Ideen und der Dinge anzusehen ist und, dass es keine Materie wie bspw. körperliche Substanz geben kann.

Uff, schwere Kost. Dabei möchte ich es erst einmal belassen und mich auf die Kritikfähigkeit dessen beziehen und die Idee, ha, wie man mit seinem eigenen Weltbild, egal, wie in sich schlüssig und auch logisch konzipiert es ist, gegen Wände rennen kann.

Er wäre sehr traurig gewesen

Berkeley musste sich gefallen lassen, wie ihm vorgeworfen wurde, dass er die Dinge der Welt degradieren würde, wie er zum einen empirisch und zum anderen logisch argumentieren würde, sich das aber gegenseitig abstoßen solle. Andere finden, Berkeley war naiv und hatte ein destruktives Weltbild.
Hätte Berkeley diese Kritik bei Leibe gehört, er wäre sehr traurig gewesen.
Doch zu der Gemeinsamkeit, von der ich glaube, dass sie mich zu einem kleinen Berkeley macht: wir kämpfen für unsere Ideenwelt, wir stehen ein für unsere Ideen und Prinzipien und laufen Gefahr, ein Konstrukt aus ursprünglich nachvollziehbaren Ideen zu entwickeln, welches es unglaublich schwierig macht, den Kern unseres Seins und unseres Wesens zu erklären. Wir, Berkeley und ich sind Idealisten, philosophische Idealisten, denen es schwer fällt, hart erarbeitete Gerüste abzubauen und einzusehen, dass wir abgekommen sind, von dem, was wir wirklich sagen wollen.
Ich gebe zu, ich bin ein kleiner Berkeley und ich möchte sagen, dass Wahrnehmung für mich mehr als eine Idee ist.
Euer MJN.
Bildquelle: https://www.essentiallifeskills.net/george-berkeley-quotes.html

„Du blöder Bumskopf“ oder: wie eine Streitkultur zur Unternehmenskultur gehört!

„Eine harmonische Unternehmenskultur ist nicht unbedingt eine gute Unternehmenskultur, denn Harmonie wird häufig um den Preis erkauft, dass kritische Themen nicht angesprochen und Konflikte nicht geklärt werden“

sagt Winfried Berner (im Folgenden WB genannt) über die Kultivierung einer respektvollen Streitkultur im Unternehmenskontext. Anfänglich stolpert man über den Eingangssatz, dass angeblich Harmonie bzw. zu viel Harmonie ursächlich dafür sein kann, dass der Unternehmenserfolg langfristig nicht gesichert ist. WB begründet das mit einer Vermeidungsstrategie mit der (meist) Führungskräfte unangenehmen, kritischen und diskursiven Sachverhalten aus dem Weg gehen und so für ein Anschwellen der Reibungsgeschwüre verantwortlich sind.

Selbstverständlich sind in der ersten „Emotionsschicht“ Diskussionen und Kritikgespräche per se nicht wohltuend, dennoch, wenn man gelernt hat, wie eine konstruktive Fehlerpolitik aussehen kann, befreien sie, benennen namenlose Streitgeister und sorgen für die berühmte reine Luft.

VERMEIDEN IST TAKTISCH

WB und ich auch befürchten bei einer konstanten, vermeidenden Haltung und der Scheu, Kritik als solche zu beschreiben und zu adressieren, dass der Kleister, der Teams zusammenhält, beginnt porös zu werden. Es schwinden Kooperationsbereitschaft, Vertrauen und wahrscheinlich noch viel mehr Eigenschaften, die eine nachhaltige Teamstruktur mit sich bringt.

Spannend an der Herangehensweise von WB finde ich den „Ausweg“, welchen er wählt:

Es gibt einen (…) Weg. Allerdings ist er nicht ganz einfach zu beschreiten, denn er erfordert sowohl gedankliche Klarheit als auch einige Selbstdisziplin. Erschwerend kommt hinzu, dass er nicht auf einer gewachsenen Erziehungs- oder Bildungstradition aufsetzen kann, sondern für jedes Unternehmen neu aufgebaut und kultiviert, das heißt mühsam zum Bestandteil der Unternehmenskultur gemacht werden muss.

PERSON UND SACHE TRENNEN

Die Lösung an sich ist so simpel wie schwierig: Person und Sache trennen! Tadaaaaa! Nein, im Ernst: das leuchtet ein. Hier wird eine Streitsituation beschrieben, bei der es sich in erster Instanz um eine sachliche Angelegenheit handelt. Diese sachliche Angelegenheit wird von Person A an Person B adressiert. Die klassischen Kommunikatoren werden ausgepackt und Person A referiert über das Problem. Trotz der anfänglichen Verbindlichkeit von Person B, die sachliche Problemstellung als solche zu bewerten, schleicht sich Schritt für Schritt eine defensive Haltung ein, die Konfrontation beginnt damit, von einer sachlichen in eine persönliche zu kippen. Person B fühlt sich angegriffen und verteidigt sich. Nicht schön!

BACK TO REALITY

Ich schätze WB deshalb so sehr, weil er ein durch und durch realitätsbezogener Zeitgenosse ist und hier eine mehr als plausible Erklärung für diesen Sachverhalt gibt: im real life sind Sache und Mensch nun mal nicht getrennt, weshalb also eine so fiktive und suggerierte Situation fast schon zum Scheitern verurteilt ist. Jeder von uns hat Gedanken, eine Meinung und Haltung und diese drücken wir in Handlungen aus. Diese Handlungen können zu einer vermeidlichen „sachlichen“ Annahme werden, die, gehen wir ein paar Zeilen nach oben, diskutiert werden soll. Ein simpler kausaler Zusammenhang, der uns richtig anätzt, wenn jemand sagt, dass er unsere Idee für „unrealistisch“ hält. Zum Einen zweifelt er unser Urteilsvermögen an und behauptet, dass dieses und die eigene Wertevorstellung, ja so weit gehen wir Menschen innerlich, unrealistisch ist.

ZWEITER VERSUCH: TRENNUNG BRINGT EINVERNEHMEN

Und dennoch hält WB daran fest, dass Person und Sache getrennt werden müssten,

nur auf (eine) etwas weniger oberflächliche und unrealistische Weise als in dem populären Rezept: „Hart in der Sache, verbindlich gegenüber der Person.“

WB löst dieses Konstrukt auf, indem er die Sachebene und die Beziehungsebene voneinander trennt und analog dazu darauf verweist, dass kein Konflikt kollegial und gleichberechtigt gelöst werden kann, wenn man nicht die Emotionen des Gegenüber sehen und werten lernt. In einer kollegialen Konfliktlösungswelt, in der solche gelöst werden, indem beide Streitpartner das völlige Verständnis des jeweils anderen erlangt haben, geht es zu aller erst um das Verständnis, was denn überhaupt eine solche Streitkultur hemmt.

TRENNENDE GEFÜHLE

Solche trennenden Gefühle sind bspw. Wut, Ärger, Angst, Trotz und Ungeduld und sie bewirken, dass wir uns von Anfang an gegen unseren Gesprächspartner stellen und innerlich über ihn urteilen.  Gleichzeitig ist aber auch wichtig zu wissen, dass es nicht darum geht, solche negativen und trennenden Gefühle schlichtweg zu akzeptieren oder  gar herunterzuschlucken, sondern sie zu überwinden. Das bedeutet, dass wir in solchen Konfliktsituationen hinterfragen sollten, weshalb ich zu einer bestimmten Tatsache ein bestimmtes Gefühl habe und weshalb ich das in der Form auslebe, wie ich es auslebe. Es geht darum zu verstehen, dass diese Konflikthaltung in mir selbst ist, nicht in meinem Gegenüber und dass ich weniger beurteilen oder gar verurteilen sollte, sondern besser verstehen, weshalb ein Konflikt ein Konflikt ist.

UMSETZBAR?

Vorgesetzte reagieren auf diese Gedanken oft mit Bestürzung und Abwehr: „Das würde ja heißen, dass ich mich überhaupt nicht mehr natürlich und spontan äußern darf!!“ Die Antwort lautet: Falls es so sein sollte, dass Ihre spontanen Reaktionen manche Mitarbeiter entmutigen, offen Meinungen zu äußern, die von der Ihren abweichen, müssen Sie sich in der Tat entscheiden, welches Problem Ihnen lieber ist: Eine Mäßigung Ihrer spontanen Dominanz oder ein weitgehender Verzicht auf eine Streitkultur.

Gute Schwäche oder dumme Stärke?

Eine gute Schwäche ist besser als eine dumme Stärke (Charles Aznavour)

„Du bist nicht der Einzige“…möchte man sich zurufen, wenn es darum geht, dass man eine bestimmte Schwäche an sich feststellt und direkt damit startet sie ausmerzen zu wollen. „Ich kann einfach nicht nein sagen“ hat sich in Bewerbungsgesprächen zum Dauerbrenner herauskristallisiert. „Ich bin perfektionistisch…manchmal ein wenig zu sehr“ lanciert direkt dahinter auf Platz 2.

Schwächen als „gut“ zu bezeichnen ist schon fast blasphemisch, vertraut man auf Recruiting-Ratgeber der vergangenen Jahre. Stärken dagegen als „dumm“ zu bezeichnen opportunistisch und naiv, fast schon selbstzerstörerisch. Doch der Bereich dazwischen ist immens groß und lässt unglaublich viel Platz für Wertungen, Interpretationen und Selbstkritik.

Man braucht oft Monate, gar Jahre, um sich im beruflichen Leben zu positionieren, selbst kennenzulernen und auch herauszufinden, was man an sich selbst als Stärke bzw. Schwäche definieren könnte. Dabei bemerken die wenigsten, wie viel Selbstlüge sich hier einschleicht und man wie der Ochs vorm Berg steht und geflügelte Wörter nutzt, um sich selbst einen bestimmten Charakter zu geben und sich in Worthülsen verliert.

Schwächen besitzen wir alle, Stärken dagegen auch. Nur welche würde Aschenputtel ins Töpfchen, welche ins Kröpfchen werfen?

Es hat viele Jahre gedauert bis ich feststellen musste (dann durfte), dass Idealismus keine Schwäche per se ist. Dass Idealismus zwar eine riesige Angriffsfläche bietet scheint jedem einzuleuchten, dass es allerdings eine Lebenseinstellung ist, die einem Leichtigkeit und Vielfalt verleiht, das geht des Öfteren im Berufsalltag unter. Idealismus ist Freiheit, meiner Meinung nach, Dinge zu wagen und zu glauben, die vergessen schienen. Idealismus ist eine Ansichtssache, die es einem erlaubt, Dingen nicht nur einen positiven Grundton zu verleihen, auch ermöglicht es einem, die Welt und den beruflichen Kontext darin „auf die leichte Schulter“ zu nehmen.

Nein, damit meine ich nicht, dass man sich blind und stumm in tiefe Knechtschaft stürzt, sondern vielmehr, dass man den Dingen Chancen gibt, eine Schwäche sein zu dürfen, die einen nicht in der Substanz schwächt. Schwächen sind subjektiv wahrnehmbar: des einen Leid ist des anderen Freud´ sozusagen und das dann in Perfektion.

Schwächen sind gut, sind sie hilfreich, das Selbst- und Fremdbild der Welt zu malen. Schwächen sind gut, wenn es darum geht, herauszufinden, was man wirklich investieren kann und auch will und sie sind so lange gut, wie sie sich reinigend anfühlen. Stärken sind dagegen natürlich nicht universell dumm, sie unterstützen nur oft den Mauerbau des eigenen Geistes und schwächen Schwächen.

Ich halte nichts von Konzern-Floskeln wie „Stärken stärken und Schwächen schwächen“…ich halte allerdings viel von der Umkehr von Denkmustern und der präventiven Arbeit eines ausgereiften Schwächen-Konzepts. Ich denke, dass es im beruflichen Kontext darauf ankommen sollte, Schwächen als solche anzuerkennen und sie passieren zu lassen. Ja, ein wenig Herdplatte spielen und abwarten, wie oft man sich daran verbrennt. Ich glaube daran, dass Schwächen charakterbildend sind und dass wir uns nicht einreden lassen sollten, sie würden uns in unserer Produktivität hindern.

Ich glaube daran, dass meine Schwächen Teil meiner Selbstkritik sind, gleichzeitig aber auch ausschlaggebend für den Stolz, den ich verspüre, wenn ich über jede einzelne Schwäche nachdenke.

Euer stark-schwacher M

(Bildquelle:http://entwicklung-der persoenlichkeit.de/selbstkonzept)

Ganz nah dran – ganz weit gedacht!


…wie Mitarbeiternähe eben kein Vorrecht der Führungskräfte sein darf!

Die Frage, die ich mir in meinen diversen Funktionen im Bereich der Personalgewinnung immer wieder gestellt habe ist, wie nah ist „nah am Mitarbeiter“ und kann ein „nah“ zu nah werden?

Mir ist bewusst, dass es hierauf keine universell gültige Antwort geben kann, eben aufgrund der Tatsache, dass Unternehmenskulturen unterschiedliche Ausprägungen beanspruchen und sie damit in gewissem Maße auch vorgeben (sollen), welche Form der Mitarbeiternähe gelebt werden darf. Nur genau hier scheint mir ein großes Problem verborgen: wie genau kann eine Unternehmenskultur eine Mitarbeiternähe diktieren und von welchem Management-Level soll oder muss sie gar praktiziert werden?

Ich habe Kollegen kennengelernt, die mich aufgrund ihres Talentes, den mannigfaltigsten Sachverhalt auf den kleinsten Kern zu reduzieren, begeisterten. Diese Kollegen waren u.U. auch mal Vorgesetzte, die mir durch bspw. genau solche Fähigkeiten sehr nahe waren. Das Gefühl gehabt zu haben, Gedankenfreiheit leben, wertfreie Impuls-Plapperer rauslassen und auch mal hitzige Erörterungen austragen zu können, das hat mich an Kollegen und Führungskräfte sehr nahe heran gebracht.

Allerdings kann es an diesem Scheidepunkt genau in das Gegenteil umschlagen und innerhalb einer Sekunde können sich zwei Mitarbeiter auf unterschiedlichen Business-Kontinenten befinden.

Eine Unternehmenskultur muss einen Erste-Hilfe-Kasten für solche Fälle bereit halten. Mitarbeiternähe muss nicht zwangsläufig ein Top-Down-Modell sein, was ein Vorrecht der Führungskräfte bedeuten würde. Das ist Unsinn.

Weshalb? Weil das bedeuten würde, dass Mitarbeiternähe ein Führungsinstrument ist, was absoluter Wahnsinn wäre. Mitarbeiternähe sollte ein Tool sein, was kein Tool ist. Mitarbeiternähe sollte eine gelebte Kommunikation sein, die es ermöglicht, als Erste-Hilfe-Kasten zu fungieren, um gemeinsame Ziele andenken und verfolgen zu können.

Mitarbeiternähe kann auf die unterschiedlichsten Weisen transportiert werden. Mein Lieblingsbeispiele kreisen alle um die „kleinen Dinge“,  um soft skills wie beispielsweise Anteilnahme an einer familiären Situation, Respekt für Entscheidungen und gleichwertige Betrachtung dieser, konstante Begeisterung für die eigenen Tätigkeit und natürlich auch die der anderen etc..

Mitarbeiternähe kann grundsätzlich nicht zu nah sein, solange sie echt ist!

Euer MJN


Glaubenssätze – nichts als Konstruktion?!


Ich glaube, also bin ich?!

In ihrem Buch Vom Jein zum Ja gibt Stephanie Stahl Hinweise dafür, wie man

,,die Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Bindungsängsten (…), (die ihr) so notwendig wie heute“

erscheinen, bewerten und sie in das eigene Lebensmodell integrieren kann. Etwa in der Hälfte des Buches konzentriert sich die Autorin auf Bindungsängste, die man als Erwachsener eindeutig auf Sozialisierung in der Kindheit und die darin manifestierten Unsicherheiten zurückführen kann (zumindest geht die Autorin hier von dieser Fallstudie aus). Eine Möglichkeit, sich selbst, die eigenen Charakterzüge, Wertvorstellungen und auch Ziele zu erkunden, liegt für die Ratgeberin darin, seine eigenen Glaubenssätze herauszufinden und diese zu verorten. Es gibt jetzt sicherlich Leser, die sich denken, mit was für einem konstruierten Begriff ich hier wieder um die therapeutische Ecke komme. Lasst euch sagen: ich selbst entdecke so oft, nahezu täglich, so viele neue Anregungen, Ideen und Vorschläge, wie man einer (nahezu) befriedigenden Definition von „Kultur“ und „Unternehmenskultur“ näher kommen könnte. Also hangeln wir uns weiter…

…zurück zu den Glaubenssätzen. Es gibt unzählige Glaubenssätze, darunter einige, die sich als solche tarnen. Also aufgepasst!

Glaubenssätze können sprachlicher Ausdruck von etwas sein, an das wir schlichtweg glauben, was wir somit auch für wahr halten. Ein Glaubenssatz ist zu verstehen als eine Art inneres Modell, das jede Person fortlaufend und in Dauerschleife entwickelt, um sich in der Welt zu orientieren. Verstanden. Weiter. Dazu kommt der Ratschlag von Frau Stahl, dass es eine bestimmte Formulierung für Glaubenssätze gibt, die regelmäßig mit einem ,,Ich darf…“ oder ,,Ich bin nicht…“ einzuleiten sind. Dazu im Gegensatz würde bspw. der Satz ,,Ich habe Angst zu…“ stehen, da dieser – manchmal muss man gar nicht krampfhaft um die Ecke denken – die Angst hinter bspw. dem Versagen ausdrückt.

Wie genau könnte also nun ein Glaubenssatz in Bezug auf eine gesunde Unternehmenskultur aussehen, wenn dieser eine innere Überzeugung, eben keine Absicht, ausdrücken soll.

Ich habe keine zweifelsfreie und vor allem eindeutige Antwort darauf, vorerst nicht…

…to be continued!