Was George Berkeley (1685-1753) und ich gemeinsam haben…

berkeley

…ist die Wahrnehmung, dass wir oft grundsätzlich missverstanden werden!

George Berkeley war neben seiner Tätigkeit als Denker und Philosoph ein visionärer Bekämpfer der Arbeitslosigkeit und engagierte sich gegen das Bettlerunwesen und die Trunksucht seiner Zeit. Er war soziogeographisch tätig und verbesserte Boden und Wege zur besseren Transportmöglichkeit und machte sich einen Namen in der Sozialfürsorge, indem er einen Beitrag zur Steigerung der wirtschaftlichen Leistungs- und Kreditfähigkeit und zur finanziellen Sanierung leistete. Daneben stand Berkeley für eine Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen England und Irland, sowie für die Gleichberechtigung von Katholiken und Protestanten ein.

Okay, den Willen, politische wie auch soziale Missstände nicht als gegeben, sondern als veränderbar anzunehmen haben wir durchaus gemeinsam, aber vergleichen kann und möchte ich mich nicht mit diesem für mich sehr wichtigen Charakter der Geschichte.

Selbstkritik

Ich möchte heute eine These von Berkeley zum Anlass nehmen, Selbstkritik zu üben und kontemplativ darüber nachzudenken, weshalb ich oft das Gefühl habe, nicht verstanden zu werden. Was mich letztendlich dazu bringt, auch wenn ich mich mehr als oft dagegen wehre, diese eine bestimmte Opferrolle einzunehmen und nur schwerlich wieder heraus gelange, das bringt Berkeley ganz nah an mich heran.

Der gute George musste so einige harte Kritik einstecken, die meiste davon post mortem. Hochkaräter wie Kant bspw. fanden in der Auffassung Berkeley ein gefundenes Fressen, Themen wie Wahrnehmung und Existenz zu den eigenen Gunsten auszulegen.

Initialzündung

Ach, bevor ich es vergessen: ausschlaggebend für die Kritik an dem britischen Denker war die Idee der Vorsokratiker und auch Platons, dass alle Existenz der Dinge in unserer Welt rein deswegen existieren, weil sie nur in unserer Wahrnehmung als Idee funktionieren. Philosophisch, ich weiß. Lasst es mich so sagen: Berkeley dachte, dass ein Ding bspw. ein Stuhl nur dann ein existierender Stuhl ist, wenn ich in meiner Wahrnehmung einen Stuhl als Idee habe.

Berkeley hat diese Meinung detailliert in seinem philosophischen Tagebuch ausgeführt und diesen Wahrnehmungsapparat auf die einzelnen Sinne des Menschen angewandt:

„Der Zweck meiner Arbeit ist darzutun, wie wir mit Hilfe des Gesichtssinnes Entfernung, Größe und Lage von Gegenständen wahrnehmen, ferner auch den Unterschied zu betrachten, der zwischen den Wahrnehmungen des Gesichtssinnes und denen des Tastsinnes besteht, und zu untersuchen, ob es eine Idee [hier = Vorstellung] gibt, die beiden Sinnen gemeinsam ist“

Berkeley behauptet noch weiter, dass der Geist als Ursache der Ideen und der Dinge anzusehen ist und, dass es keine Materie wie bspw. körperliche Substanz geben kann.

Uff, schwere Kost. Dabei möchte ich es erst einmal belassen und mich auf die Kritikfähigkeit dessen beziehen und die Idee, ha, wie man mit seinem eigenen Weltbild, egal, wie in sich schlüssig und auch logisch konzipiert es ist, gegen Wände rennen kann.

Er wäre sehr traurig gewesen

Berkeley musste sich gefallen lassen, wie ihm vorgeworfen wurde, dass er die Dinge der Welt degradieren würde, wie er zum einen empirisch und zum anderen logisch argumentieren würde, sich das aber gegenseitig abstoßen solle. Andere finden, Berkeley war naiv und hatte ein destruktives Weltbild.
Hätte Berkeley diese Kritik bei Leibe gehört, er wäre sehr traurig gewesen.
Doch zu der Gemeinsamkeit, von der ich glaube, dass sie mich zu einem kleinen Berkeley macht: wir kämpfen für unsere Ideenwelt, wir stehen ein für unsere Ideen und Prinzipien und laufen Gefahr, ein Konstrukt aus ursprünglich nachvollziehbaren Ideen zu entwickeln, welches es unglaublich schwierig macht, den Kern unseres Seins und unseres Wesens zu erklären. Wir, Berkeley und ich sind Idealisten, philosophische Idealisten, denen es schwer fällt, hart erarbeitete Gerüste abzubauen und einzusehen, dass wir abgekommen sind, von dem, was wir wirklich sagen wollen.
Ich gebe zu, ich bin ein kleiner Berkeley und ich möchte sagen, dass Wahrnehmung für mich mehr als eine Idee ist.
Euer MJN.
Bildquelle: https://www.essentiallifeskills.net/george-berkeley-quotes.html

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