Wer die Qual hat, hat die Wahl?


Das luxuriöse Luxus-Problem.

Es geht uns alle an. Ob in der privaten Suche nach Zufriedenheit, Partnerschaft und Freundschaft oder auch im beruflichen Kontext, sind wir alle schon einmal an unsere rationalen Grenzen geraten mit der Frage: ,,Welche Wahl treffe ich, damit ich glücklich werde?“

Oft im Nachgang mit einem „Ach hätte ich mich doch lieber dafür entschieden…“ bereuend, fügen wir uns ein in die unendliche Suche nach dem scheinbar Unerreichten, dem „Mich-ja-eigentlich-glücklich-Machenden“. Ja, die Wahl zu haben ist nicht immer einfach und ja, man kann dieses leidvolle Statement auch direkt als „Luxus-Problem“ abstempeln. Was aber, wenn es uns so sehr darin beeinflusst, zu sein, wer wir wirklich sind, wer wir wirklich sein wollen, was und wie wir es wirklich wollen, dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.

Ich quäle mich oft damit, für Außenstehende vielleicht manchmal zu oft und anscheinend auch „gerne“, wenn ich davon spreche, dass ich mich für Gastronomie, für Reisen, für Kunst, für Design, für Ethik, für Politik, für Psychologie, für Literatur, für Sport interessiere und mir in all diesen Bereichen vorstellen könnte, mich in mindestens einem dieser Bereiche beruflich auszutoben. Nein, ich sage das nicht, weil ich Bindungsängste habe, mich in einer bestimmten beruflichen Tätigkeit niederzulassen. Ich sage das, weil es nun mal ganz einfach mehr als ein Gebiet gibt, das mich glücklich machen (könnte).

Mit diesen Gedanken möchte ich mich auf die Auseinandersetzung eines jeden Unternehmen mit sich selbst beziehen. Diese Konfrontation meint, dass man durchaus die Qual der Wahl hat, zu entscheiden, welche Eigenschaften, Werte oder „Charakterzüge“ mein Unternehmen haben sollte, um es als ein attraktives Unternehmen zu kommunizieren, um eine transparente und ehrliche Arbeitgebermarke zu etablieren. Es soll darum gehen, zu seinem eigenen Kern vorzudringen, um sich auch einmal einzugestehen, dass man verschiedene Felder bewirtschaften kann und auch darf – der Ertrag verringert sich nicht dadurch, im Gegenteil. Ich meine damit, dass eine Kultur auch einmal augenscheinlich kontrovers aussehen darf, sie darf Ecken und Kanten haben, sie darf erprobt und optimiert werden und auch neue und andere Perspektive zulassen. Eine Unternehmenskultur darf Interesse zeigen und auch haben, darf Wissen jedes Einzelnen integrieren, darf Raum schenken, für kreative Impulse und somit eben viele verschiedene Felder bewirtschaften.

Es soll darum gehen, die Qual der Wahl als positive Situation anzunehmen, aus Stärken zu wählen, eben entscheiden zu dürfen. Das kann unter Umständen schmerzhaft sein, da man innerhalb potentiell erfolgloser Kampagnen merken kann, dass die eine, vielleicht sogar die erste Wahl nicht effizient und zielführend war. Na gut, dann wähle ich eben die nächste, eine vermeidlich bessere, die mich komplettiert, die mein Unternehmen zu einem authentischen und irgendwie auch „menschlichen“ Unternehmen komplettiert. Wir müssen uns nur trauen, die Qual der Wahl zu akzeptieren und in derselben Sekunde ein Leitbild für uns daraus zu formulieren: Wer die Wahl hat, braucht keine Qual! Danke Papa.


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4 Gedanken zu „Wer die Qual hat, hat die Wahl?“

  1. Vielen Dank für diesen Artikel, Maurice. Es scheint eine große Herausforderung unserer Zeit, aus vielen Optionen wählen zu können. Eine Entscheidung FÜR etwas ist gleichzeitig eine Entscheidung GEGEN viele andere Optionen. Das verunsichert. Menschen fällt es zunehmend schwerer, aus diesem Blickwinkel überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Folgen daraus sind Starre und Unzufriedenheit. So entwickelt sich Nichts und Niemand.
    Also, vielleicht doch besser eine Entscheidung FÜR etwas treffen, alles für sie geben, im schlimmsten Fall merken das war’s nicht. Reflektieren, lernen und eine andere, wahrscheinlich bessere Entscheidung treffen. Das gilt für Menschen und Organisationen.

    1. Liebe Jessica,
      vielen lieben Dank für deinen Zusatz. Das ist wahr, vielleicht könnte man diese Herausforderung auch durchaus mit Angst gleichsetzen. Angst davor, zu scheitern. Angst davor, zu bereuen und Angst davor, sich selbst einzugestehen, dass man ab und an auch einmal Unzufriedenheiten aushalten sollte. Zum Thema „Aushalten“ gibt es einen wahnsinnig gutes Stück Literatur, das ich sehr schätze: Michael Bordt: Die Kunst, sich selbst auszuhalten – Der Weg zur inneren Freiheit. München 2013. Der an LMU in München dozierende Professor beschreibt sehr eindrucksvoll, welche Vorteile es haben kann, sich selbst, insbesondere in solchen „Wahl-Situationen“, schlichtweg auszuhalten, um seinem eigenen Innern näher zu kommen. Genial!

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